High-ISO-Fotografie

Hier mal ein paar Gedanken von mir zum Thema High-ISO-Fotografie.

Wie ihr als meine Leser wisst, beschäftige ich mich hobbymäßig mit der Fotografie. Und weil ich gleichzeitig auch als Perfektionist gelte, der mit sich selbst und seinen Werken selten zufrieden ist, habe ich bisher immer versucht, die ISO-Einstellung der Kamera so gering wie möglich zu halten, um Rauschen zu vermeiden. Gerade was das betrifft, bin ich super empfindlich und schnell von meiner Kamera enttäuscht. Mir fällt Rauschen sehr schnell auf.

Grundsätzlich ist es natürlich schon richtig, darauf zu achten, dass die ISO gering ist, aber bei mir ging das soweit, dass ich erst gar nicht fotografiert habe, sobald ISO 800 oder zur Not 1.600 nicht mehr ausreichend war. Denn die Bilder sind ja nachher ohnehin kaum brauchbar, weil eben so verrauscht. Ist ja schließlich kein Vollformat-Sensor.

Als wir vor zwei Monaten in Israel im Urlaub waren, bin ich zumindest ein paar Mal über meinen Schatten gesprungen und habe mich etwas öfter getraut, bei schlechten Lichtverhältnissen zu fotografieren. Ein bisschen Angst vor der Schwäche der Kamera war schon vorhanden, aber die musste ich schließlich auch mal überwinden. Und außerdem wollte ich einfach einige Dinge festhalten, die eben nicht hell erleuchtet waren. So kamen doch einige Bilder mit ISO 1.600, ISO 3.200 und sogar ISO 6.400 zusammen.

Zuhause, als die RAW-Bilder dann in Lightroom importiert waren, wurde es spannend. Und ich war selbst etwas überrascht. Natürlich weisen die Bilder zum Teil starkes Rauschen auf. Vieles wird von mir aber einfach übertrieben wahrgenommen, weil die Betrachtung am Bildschirm dazu verleitet, in das Bild hereinzuzoomen. Im Grunde sahen die aber weit weniger schlimm aus als befürchtet. Und da ich einige von den Bildern aufgrund der Motive dann doch mit ins Fotobuch packen wollte, habe ich die ganz normal in Lightroom bearbeitet und gegebenenfalls etwas mehr Rauschunterdrückung angewendet.

Und was soll ich sagen? Im Fotobuch, also ausbelichtet „auf Papier“ ist das Rauschen kaum bis gar nicht wahrnehmbar, wirkt auf jeden Fall überhaupt nicht störend. Dabei musste ich an Scott Kelby denken, der mal bei einer Ausgabe von „The Grid“ gesagt hat, dass er selbst nie Rauschreduzierung macht, weil 99 % der Bilder ohnehin nicht mehr als Webgröße haben oder aber kleine Fotoabzüge sind, wo das Rauschen überhaupt nicht sichtbar ist. Damals dachte ich, er sagt nicht ganz die Wahrheit, das Rauschen stört doch ungemein – nun, ich habe mich geirrt. In der Praxis ist Rauschen wirklich nicht so schlimm wie ich mir bisher eingeredet habe.

Hier mal zwei Beispiele von Bildern meiner Kamera mit ISO 6.400, es handelt sich um die RAW-Datei ohne jegliche Rauschreduzierung.

IMG_6762

Beispiel ISO 6.400
Beispiele für Bilder mit ISO 6.400. Natürlich ist Rauschen sichtbar, gerade bei großen einfarbigen Flächen, aber vollkommen im Rahmen.

Auf jeden Fall werde ich nun etwas weniger Scheu davor haben, bei ungünstigen Lichtverhältnissen zu fotografieren und die ISO hochzustellen. Natürlich hat man da gewisse Abstriche in der Fotoqualität, aber es hält sich dann doch selbst bei meiner APS-C-Kamera im Rahmen. Und dass man wirklich mal ISO 6.400 braucht, ist auch eher selten.

Ich würde sagen: High-ISO-Fotografie ist – auch mit APS-C-Sensoren – besser als ihr Ruf. Lektion gelernt. 🙂

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