Unser Urlaub in Bulgarien – ein Erfahrungsbericht

Vorab sei gesagt, dass dies ein Bericht aus meiner persönlichen Sicht ist. Das, was ich hier schreibe, muss nicht (und wird wohl auch nicht) auf ganz Bulgarien und die Leute dort zutreffen, aber es nun mal eine Erfahrung, die meine Frau und ich dort vergangene Woche während unseres Urlaubs gemacht haben.

Warum Bulgarien?
Bulgarien als Urlaubsort war eine sehr spontane Entscheidung. Eigentlich hatten wir für dieses Jahr keinen Urlaub mehr geplant, doch meine Frau wollte dann doch noch gerne kurzfristig in die Sonne. Daher haben wir noch schnell Last-Minute gebucht. Dass es zu Bulgarien kam, hat zwei Gründe. Zum einen mussten wir quasi das nehmen, was es noch gab, und viel war das nicht. Eine Option war eben Bulgarien, wozu uns unser Reisebüro des Vertrauens auch geraten hat. Das Wetter würde super werden, es gebe viel zu sehen usw. Zum anderen waren sowohl unsere Freunde als auch mein Bruder mit Familie letztes Jahr dort, und ihnen hatte es gefallen. Daher haben wir nicht lange gezögert, sondern einfach zugeschlagen, da es auch preislich recht attraktiv war.

Der erste Eindruck
Als wir in Varna aus dem Flugzeug gestiegen sind, war ich direkt etwas überrascht. Die Halle war sehr sauber und sah noch ziemlich neu aus. Später habe ich erfahren, dass das Gebäude erst vor drei Wochen geöffnet hat. Kaum aber hat man die neue Halle aber in Richtung Bus verlassen, verblasst dieser positive Eindruck. Die alten Terminals, die nun geschlossen sind, sehen sehr gammelig aus, als würden sie schon verfallen. Ich will nicht wissen, wie es dort drin aussieht bzw. aussah.

Straße und Verkehr
Ok, auch bei uns sind die Straßen nicht in bestem Zustand und wir beschweren uns oft darüber. Aber dort in Varna und Umgebung ist es wesentlich schlimmer. Überall sind Löcher, teilweise sogar richtig tief. Huckel und Dellen „runden“ das ganze ab. Angenehmes Autofahren ist Fehlanzeige. Das Fahrverhalten ist auch gewöhnungsbedürftig. Zwar wird dort an allen Ecken und Kanten die Vorfahrt genommen, aber man scheint das nicht übel zu nehmen. Die Fahrer auf der Vorfahrtsstraße bremsen sogar leicht ab. Wenn man sich etwas daran gewöhnt hat, ist diese Rücksichtnahme im Verkehr eigentlich sogar recht angenehm.

Die Umgebung um Varna und Sveti Konstantin
Unser Hotel war in dem kleinen Örtchen Sveti Konstantin. Vom Flughafen Varna mussten wir etwa 20-30 Minuten mit dem Bus fahren. Was soll man sagen? Schön ist die Gegend nicht. Wie bereits gesagt befinden sich die Straßen in sehr schlechtem Zustand. Aber was viel mehr auffällt ist, dass auch die Häuser – die bewohnten Häuser wohlbemerkt – größtenteils schrecklich aussehen. Wenn ich mich mal weit aus dem Fenster lehnen darf – hier bei uns würde niemand freiwillig in so ein Haus einziehen. Es sind zum großen Teil riesige Betonbauten, von denen die Farbe und noch viel mehr abblättert. Da es sich wie uns gesagt wurde um Eigentumswohnungen handelt und es doch ein paar Besitzer gibt, die ihre Wohnung etwas besser pflegen, sieht das Ganze noch seltsamer aus, da in einem riesigen Gebäude nur eine einzelne Wohnung gedämmt und neuer gestrichen ist. Ich muss ehrlich sagen, mir ist kein einziges Haus zu Gesicht gekommen, wovon ich sagen würde, dass es nicht schlecht aussieht. Alles grau, alt und schmutzig.
Das zieht sich so hin bis zu unserem Urlaubsort. Selbst die Hotels – mit drei oder vier Sternen dekoriert – sehen verfallen und wenig einladend aus. Lediglich ein paar schöne Ausnahmen wie auch unser Hotel.
Überhaupt hat man den Eindruck, dass auf Sauberkeit nicht viel wert gelegt wird. Beim Spazieren gehen durch die Straßen fällt auf, dass sehr viel Müll herumliegt. Offenbar werden dort viele Leute ihr Zeug einfach weg und niemand räumt da auf.
Da es sich bei Varna immerhin um die drittgrößte Stadt Bulgariens mit rund 340.000 Einwohnern handelt, verwundert mich dieses „Vernachlässigen“ dann doch ein wenig.
Überall auf den Straßen laufen streunende Hunde und Katzen herum. Die allerdings sehen doch komischerweise weitgehend recht gepflegt aus und lassen sich auch gerne streicheln.
Landschaftlich ist da auch nicht viel zu sehen. Zwar sieht man in der Ferne einige bewaldete Hügel, aber das war es dann auch.

Unser Hotel
Wir haben die Woche im Hotel Azalia in Sveti Konstantin verbracht. Das Hotel ist mit vier Sternen kategorisiert, was aber nichts heißen muss. Wir haben über TUI gebucht und dort hat das Hotel eine Weiterempfehlungsrate von 95 Prozent. So schlecht waren die Voraussetzungen also nicht. Und wirklich stach es schon optisch gleich radikal aus der Umgebung dort heraus. Denn es sah wirklich gut aus.

IMG_4464_HDR

Es ist von der Fläche her nicht wahnsinnig groß, die Zimmer verteilen sich bei neun Etagen eher in die Höhe. Dadurch sind alle Räume wie der Speisesaal oder die Lobby sehr schnell erreichbar. Ganz unten befindet sich der Wellnessbereich mit Pool, Sauna und Beauty. Die ganze Anlage war sehr sauber gehalten, da gibt es nichts zu sagen. Das Personal war sehr freundlich, aber sehr viel Kontakt hatte man außer beim Essen mit denen nicht.
Über das Essen im Hotel sind meine Frau und ich nicht einer Meinung. Ihr hat es alles sehr gut gefallen, auch wenn wir aus unseren anderen Urlauben etwas mehr Auswahl beim Büffet gewöhnt waren. Ich andererseits war nicht so zufrieden. Wie schon gesagt war die Auswahl nicht groß, gerade bei Obst hätte ich mehr erwartet. Es gab nur mal Weintrauben oder Äpfel. Das war es im Grunde schon. Auch haben sich die Gerichte oft wiederholt. Was ich aber am schlimmsten fand ist, dass das Essen nie wirklich warm war. Egal wann man zum Essen erschien – gleich bei Eröffnung des Büffets oder mittendrin – es war maximal lauwarm. Natürlich ist es nun mal der Nachteil beim Büffet, dass es nicht immer sehr heiß sein kann, aber sowas habe ich dann doch noch nie erlebt. Auch war das Fleisch – egal ob Schwein oder Huhn – immer ziemlich „durch“ gegart – und das ist noch positiv ausgedrückt. Mit anderen Worten, es war immer sehr trocken und zäh. Nur ein paar Mal war es gut gelungen.
Hinzu kommt, dass ich mir zuweilen echt Sorgen im die Bausubstanz gemacht habe. Für so viel Regen wie wir dort hatten, ist das Hotel wohl nicht gebaut. Wir mussten einmal gegen 1 Uhr nachts auf einem Zimmerwechsel bestehen, da Wasser von der Decke tropfte. Und wir waren nicht die einzigen Betroffenen. Durch den starken Wind klapperte vieles und für mich war es schwer, Schlaf zu finden, da man ständig befürchtet, dass einem die Decke auf den Kopf fällt.
Von anderen Stammgästen da haben wir erfahren, dass das Hotel sehr oft von bulgarischen VIPs genutzt wird, da dort auch Konferenzräume etc. sind. Da stehen vor dem Hotel wohl Ferraris und ähnliche Schlitten. Was diese Leute da an dem Hotel finden, ist mir wirklich schleierhaft. Es ist nicht schlecht, aber sehr gut auch nicht.

Der Strand
Wir hatten von Hotel aus unseren eigenen Strandbereich nur für Gäste des Hotels. Der Bereich war wie das Hotel sehr gepflegt und sauber. Es ist ein Sandstrand, wobei man allerdings auch ein wenig aufpassen muss wegen der Muscheln, die dort liegen und schon mal scharfkantig sein können. Aber das hat man ja überall. Über das Wasser konnten wir auch nicht klagen. Da das Schwarze Meer nicht ganz so salzhaltig ist wie die anderen Meere, ist es sogar angenehmer dort.

IMG_4474_PS

Unterhaltung
Also wenn man auf Unterhaltung und Party aus ist, dann ist man im Hotel Azalia und generell in Sveti Konstantin am falschen Ort. Denn es gibt dort rein gar nichts. Es ist ein ruhiger Ort zum Relaxen, aber nicht um Party zu machen. Da wir das aber auch bewusst so wollten, ist das keine Kritik. Wer auf so etwas aus ist, wird wohl eher am Goldstrand ein Hotel beziehen. Das ist der bulgarische Ballermann.

Das Essen
Über das Essen im Hotel habe ich schon berichtet. Leider scheint das „Fleischproblem“ nicht nur auf das Hotel zuzutreffen. Wir waren zweimal auswärts essen und dort war es genauso. Einmal gab es Hähnchen-Schaschlik, der zum einen sehr fettig war, zum anderen aber trotzdem trocken. Dazu gab es Kartoffeln, die gar nicht gewürzt waren. Und satt wurde man auch nicht. Das zweite Mal gab es Filet vom Hähnchen, als Beilage Pommes. Die Menge war diesmal in Ordnung, wenn man es nur hätte essen können. Aber das Filet war so hart, das ging gar nicht. Und gewürzt war auch dieses Essen rein gar nicht!

IMG_4784

Die Leute
Wie soll man hierzu etwas schreiben, ohne jemanden anzugreifen oder zu beleidigen? Aber leider erschienen uns die Bulgaren – außer denen im Hotel – doch recht unfreundlich und abweisend zu sein. Überall waren nur düstere Mienen zu sehen. Selbst in den Geschäften, an der Kasse wurde man einfach abgefertigt, weiter nichts. Auch die Fahrer bei der Offroad-Tour oder die Busfahrer taten einfach ganz emotionslos ihren Job. Wir hatten bei der Offroad-Tour eine Gruppe von 12 Junggesellen dabei, die auf Spaß aus waren. Aber weder unsere Reiseleitung, die natürlich deutsch konnte, noch die Fahrer sind darauf eingegangen. Die haben einfach ihr Ding durchgezogen ohne irgendwie auf die Touristen einzugehen. Sinn für Humor konnten wir da nicht entdecken. Vielleicht erwarte ich zu viel, aber ich weiß, dass es sowohl auf Rhodos als auch in Spanien, wo wir ebenfalls schon waren, ganz anders war. Dort konnte man richtig Spaß auf den Unternehmungen haben. Und Kunden – was wir ja in Grunde waren – werden doch im Normalfall freundlich und lächelnd behandelt.
Weiterhin wird man dort auch ein wenig verschaukelt. Zuerst haben es uns nur die erwähnten Junggesellen berichtet, was als Nonsense hätte gewertet werden können, aber später habe ich selbst die Erfahrung gemacht. In einem Café wurde mir nicht das ganze mir zustehende Rückgeld zurückgegeben. Es war nicht viel, nur umgerechnet etwa 25 Cent, die ich ihm ohnehin gelassen hätte, und ich habe mich dazu nicht geäußert, aber in meinen Augen ist das ein Unding und Betrug!

Sehenswürdigkeiten
Hier scheint es auch nicht viel zu geben, wobei ich da nicht zu viel sagen kann. TUI hat dort ein paar Ausflüge im Programm. Wir haben zum einen eine Offroad-Tour gemacht, um das Hinterland zu besichtigen. Das hat zwar Spaß gemacht, aber zu sehen gab es da nichts Besonderes. Steppe und Wald. Zum anderen haben wir das Kap Kaliakra besichtigt. Das ist die Stelle Bulgariens, die am weitesten ins Schwarze Meer hineinragt. Die Felsen dort sehen rötlich aus. Leider hat es an diesem Tag geregnet und es war sehr trüb, sodass man die Schönheit – die durchaus gegeben sein kann – nicht wirklich wahrgenommen hat.

IMG_4834

Ein weiteres Ausflugsziel ist das alte Städtchen Nessebar, die sehr schön sein soll. Aber aufgrund des schlechten Wetters, das uns da leider zum Großteil begleitet hat, haben wir auf einen Besuch verzichtet.
Weitere Sehenswürdigkeiten scheint es dort nicht zu geben. Zwar bietet TUI noch mehr an, aber das war eher etwas in Richtung Leute und Lebenskultur.

Einkaufsmöglichkeiten
Auch hierzu will ich nicht viel sagen. Da wir etwas abseits vom Trubel waren, gab es auch keine großen Shopping-Möglichkeiten. In Sveti Konstantin gibt es eine kleine Einkaufsmeile mit kleinen Buden, wo man bulgarische Souvenirs kaufen kann. Die bieten aber alle im Grunde das gleiche. In der Stadt Varna waren wir nur einmal in der Grand Mall – einem sehr großen Einkaufszentrum, das aber die gleichen Geschäfte bietet, die man auch bei uns findet.

Wetter
Hier kann natürlich niemand etwas dafür, aber wenn eins zum anderen kommt … Wir hatten einfach Pech. Es war zum ersten Mal, dass wir so spät (Ende September) in den Urlaub gefahren sind und wohl auch das letzte Mal. Wir hatten einen sehr schönen Tag und das war gleich der erste. Da hatten wir Sonne pur bei Temperaturen um die 28°C. Freitag und Dienstag waren OK. Viel Sonne, aber nicht wirklich warm. Der Rest war einfach nur verregnet.

Fazit
Wie man wohl unschwer herauslesen kann, war unser Urlaub in Bulgarien eine einzige Enttäuschung. Das Hotel war an sich gut, aber das Essen war nicht nach meinem Geschmack. Außerdem noch die Aktion mit der Regendurchlässigkeit, was nicht sein kann. Die unfreundliche Haltung der Einheimischen tat ihr Übriges, dass wir uns dort einfach nicht wohlgefühlt haben. Es war das erste Mal, dass selbst meine Frau das Ende des Urlaubs herbeigesehnt hat – und das will was heißen. Es wird uns sicher nie wieder nach Bulgarien verschlagen. Aber immerhin: Wir sind noch nie so ausgeruht aus einem Urlaub zurückgekommen …

Advertisements

4 Kommentare zu “Unser Urlaub in Bulgarien – ein Erfahrungsbericht”

  1. Typisch deutsch das Bericht. Das Essen in Deutschland uns unverträglich geschmacklos uns unnötig süßlich für einen Bulgaren, aber euch gefällt der Auswahl in Bulgarien nicht… Besonders freundlich sehen auch die Deutschen in Deutschland nicht aus. Aber man erwartet, dass in den anderen Ländern mit den Leuten gleich Spaß haben muss… Das Ende September ist die falsche Zeit für einen Urlaub in Bulgarien. Man geht ans Meer im Juli und August. Das ist kein Rhodos und kein Mallorca. Die Läden im Einkaufszentrum sind die gleiche „wie bei uns“. Wo ist der Fehler der Bulgaren in dem Fall? Alles Unzufriedenheit pur. Ihr solltet das Problem in sich suchen, und nicht an das Land, dass euch für einen günstigen Urlaub behütet hat… Das heißt „Dankbarkeit“ pur…

    1. Ich habe meine Meinung kund getan, du nun die deine. Das ist in Ordnung und respektiere ich. Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung: Es war in fast allen Punkten ein sehr schlechter Urlaub und wird nie wiederholt werden. Das hat nichts mit Undankbarkeit zu tun. Bulgarien hat mir ja nichts geschenkt, im Gegenteil, ich habe viel Geld für ein schlechtes Produkt bezahlt. Und da darf man unzufrieden sein.

      1. Wenn du viel Geld bezahlt hast für deine Reise in bzw nach BG dann hast du den falschen Reiseveranstalter gewählt. Also der Punkt mit den unfreundlichen Menschen ist doch eigentlich quatsch oder??? Wenn man den, die Menschen nicht kennt oder mit denen nicht in Kontakt kommt kann man doch nicht alle als unfreundlich hinstellen!!!!!! Meine Frau kommt aus BG, wir haben sehr viele Bekannte und Freunde, Familie aus dem Land, ich kenne niemand aber wirklich niemanden der jemals unfreundlich oder irgendwie ne Dauerfresse gezogen hat. Immer zuvorkommend und freundlich. Schau dich mal bei uns im Lande um…..Hier ziehen doch alle ne Schnauze, tag täglich.🤔
        So das ist meine Meinung.

  2. Ich war selbst mit meiner Familie (schon sehr) oft in Bulgarien und finde es echt unfassbar was ihr da leiser erleben musstet. Ich war bereits sowohl in kleineren Dörfern am Meer als auch in Burgas und Varna. Ich war immer rundum begeistert. Überall fröhliche Menschen, die sehr hilfsbereit und offen sind. Das Essen in unseren Hotels und Gaststätten war bisjetzt auch immer tadellos super. Und der strand (wie auch bei euch) war super sauber und das Wasser total klar und echt schön zum tauchen und Schnorcheln. Außerdem konnten die meisten Angestellten in Hotels,Bars, Restaurants etc. Deutsch d.h. sehr entspannt für uns da wir in unserer Muttersprache bestellen konnten.
    Schade dass ihr so eine schlechte Erfahrung mit einem so tollen Land gemacht habt. Vielleicht gefällt es euch ja beim nächsten mal besser 😊

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s