Rezension: Astrid Seehaus – Tod im Eichsfeld

Der Sutton Verlag hat mir freundlicherweise das Buch „Tod im Eichsfeld“ über die Plattform „Blogg dein Buch“ zur Verfügung gestellt. Hier nun meine Gedanken zu dem Buch.

Das Buch beginnt mit einem Suizidversuch Jessicas, der Tochter des Kriminalkommissars Frank Rothe. Diese ist behindert und sitzt im Rollstuhl. Das und der Verlust ihrer Mutter machen ihr sehr zu schaffen. Um die Vergangenheit hinter sich zu lassen, lässt sich Rothe in das Dörfchen Heiligenstadt versetzen. Doch so friedlich, wie es scheint, geht es dort nicht zu: Hass und Gier brodeln hinter der Fassade.

So wird dann auch der Großbauer Georg Stahlmann brutal ermordet – mit einer Mistgabel erstochen. Bei den Ermittlungen kommt heraus, dass sehr viele ein gestörtes Verhältnis zu dem Bauern hatten, und demnach hat auch fast jeder ein Motiv. Hinzu kommen zahlreiche Indizien, die scheinbar zu verschiedenen Verdächtigen passen. Um den Fall aufzuklären, muss sogar in der Vergangenheit gebohrt werden …

Eins vorweg: Ich bin eigentlich nicht so der Krimi-Leser, eher schon Thriller. Trotzdem wollte ich dieses Buch lesen, da es gute Bewertungen hatte und immerhin den „Thüringer Krimipreis 2012“ gewonnen hat. Auch andere Rezensionen, die ich gelesen habe, sind voll des Lobes für dieses Buch. Vielleicht liegt es an meiner mangelnden Krimi-Erfahrung, vielleicht bin ich auch einfach zu anspruchsvoll. Und so eine Rezension ist natürlich immer subjektiv. Aber es bleibt festzuhalten, dass mich dieses Buch nicht wirklich überzeugt hat. Ich habe sogar allen Ernstes recherchiert, ob denn ein Krimi nicht spannend sein darf – aber der Reihe nach.

Zu Beginn des Buches wird man in die Situation eingeführt, in der sich Frank Rothe befindet. Tochter behindert, Frau vor einiger Zeit gestorben, Wohnortwechsel, Einleben in neuer Umgebung. Das zieht sich über die ersten 50 Seiten. Nebenher werden einige Konfliktherde gezeichnet: Jessicas Kampf mit sich selbst und der neuen Schule; die Diskrepanzen zwischen Rothes Kollegen insbesondere der Kollegin Nolte; Rothes Meinungsverschiedenheiten mit dem Kollegen Schneider; Schulden des Bauern Dornieden bei Stahlmann; Affären zwischen Viola Stahlmann und ihrem Cousin Walter; Uneinigkeit Herr und Frau Stahlmann – ich hoffe, das waren alle. Wie man sieht wird an vielen Stellen Konfliktpotential geschaffen, auf mich wirkt es teilweise übertrieben. Das Schlimmere aber in meinen Augen ist, dass diese Konflikte nicht alle gelöst werden; z.B. weiß man nicht genau, wie es zwischen Viola und ihrem Cousin weitergeht (man kann es nur ahnen), oder wie sich das Verhältnis zwischen Rothes Kollegen entwickelt.

Weiterhin finde ich diesen einleitenden Teil zu lang. Der Mord – also das Ereignis, um das es im Buch geht – findet erst auf Seite 58 statt. Wenn man bedenkt, dass das ganze Buch nur 200 Seiten umfasst, steht das nicht im Verhältnis.

Kommen wir zur bereits erwähnten Spannung. Da ich wie gesagt kaum Krimis lese, habe ich mich wirklich gefragt, ob denn ein Krimi nicht spannend sein darf. Denn Spannung ist etwas, was ich leider fast komplett vermisse. Wie bereits betont ist das Buch nur 200 Seiten dick. Trotzdem habe ich es über mehrere Tage gelesen, weil es mich einfach nicht gefesselt hat. Zu keiner Zeit habe ich mit Spannung darauf hingefiebert, zu erfahren, wer denn der Täter ist. Erst der Schluss, wo Rothe angetrunken im Auto auf dem Weg zum Täter ist, um einen weiteren Mord zu verhindern, und dabei von anderen Polizisten verfolgt wird, wird etwas dramatischer.

Eines muss man der Autorin aber lassen: Sie schafft es immerhin, alles glaubwürdig erscheinen zu lassen. Sowohl die Geschichte an sich als auch die ganze Umgebung wirken sehr realistisch – auch wenn in meinen Augen zu viele Konflikte erschaffen werden. Auch dass der Schlüssel zur Aufklärung in der Vergangenheit liegt, ist eine sehr interessante Idee. Was auch zu einem recht unerwarteten Ende führt, da diese Person zunächst nicht zum Kreis der Verdächtigen führte.

Insgesamt hätte ich von dem Buch etwas mehr erwartet, wenn man die ganzen so positiven Kommentare liest. Mir fehlt eindeutig die Spannung, teilweise wirkt es trotz der Kürze durch die vielen (ungeklärten) Konflikte überladen. Zudem startet der wesentliche Teil der Story in meinen Augen etwas zu spät. Das Ende wiederum zeigt zumindest das Potential: Es ist unerwartet und sorgt damit immerhin auf ein paar Seiten für Spannung.

Ein weiterer Negativaspekt: Der Krimi kostet 12 Euro – und hat nur etwa 200 Seiten. Dafür, dass es teilweise Taschenbücher mit 1.000 Seiten für 9,95 Euro gibt, ist der Preis deutlich zu hoch angesetzt.

Das Buch bekommt von mir 3 von 5 Sterne.

 

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