Nur mal Geld holen … (Kurzgeschichte)

Heute haben wir endlich den fünfzehnten. Wie gut, dass mein Gehalt immer sehr pünktlich auf meinem Konto ist. Eigentlich brauche ich momentan gar keins, aber es kann ja nicht schaden, etwas im Portemonnaie zu haben, nur für alle Fälle. Vielleicht passiert irgendetwas Unvorhergesehenes.

Schön, dass meine Bank direkt in der Innenstadt liegt, da bietet es sich geradezu an, mal durch die Geschäfte zu schlendern und zu schauen, was es so Neues gibt. Die zwanzig Euro in meiner Geldbörse fühlen sich gut an, und so soll es auch bleiben. Ich werde nur ein wenig schauen, gekauft wird nichts.

Ich komme an der Videothek vorbei. Da ich mich für Computerspiele interessiere, gehe ich in die Abteilung mit den Videospielen. Ach, nur das Übliche, entweder altes Zeug oder etwas, das mich überhaupt nicht interessiert. Schon gehe ich auf den Ausgang zu und strecke meine Hand nach der Tür aus, als mein Blick doch noch an einem Titel hängen bleibt. Von diesem Spiel habe ich schon mehrfach gelesen. Es hat von allen erdenklichen Fachzeitschriften hervorragende Bewertungen bekommen. Nebenbei gehört es zu meinem Lieblingsgenre und es ist nicht verliehen. Meine Hand greift schon danach, als mir einfällt, dass ich mir fest vorgenommen habe, heute kein Geld auszugeben. In mir beginnt es zu arbeiten.

Auf der einen Seite brauche ich dieses Spiel nicht, ich habe genug und sowieso kaum Zeit für so etwas. Außerdem kann ich mein Geld auch für sinnvollere Dinge ausgeben. Auf der anderen Seite wird gerade dieses Spiel überall so gepriesen, da muss man es doch einmal angespielt haben. Und wenn ich Gefallen daran finde, brenne ich es mir und spare so viel Geld. Ist zwar nicht legal, aber was macht das schon? Tun doch alle, ohne dass jemand erwischt wird!

Ich kann mich nicht entscheiden, zögere vor dem Regal. Vielleicht wird es in den nächsten Tagen verliehen sein, wenn ich jetzt nicht zugreife, bekomme ich es vielleicht nie. Das ist die Chance! Entschlossen greife ich mir das Schildchen und gehe zur Kasse. Gegen eine Leihgebühr von fünf Euro erhalte ich die DVD. Zufrieden gehe ich raus. Ich freue mich schon jetzt, meine neuste Errungenschaft auszuprobieren.

Nun habe ich schon viel Zeit vertrödelt. Da ich noch einen Termin habe, muss ich meinen Bummel beenden, aber die Zeitschriften muss ich mir noch anschauen. Da ich mich sehr für Sport interessiere, blicke ich oft in die Sportzeitschriften. Kaufen tu ich mir sie nie, aber ich muss ja auf dem neusten Stand bleiben und daher schaue ich immer kurz rein. Ich blättere zwei durch und finde einige interessante Artikel. Doch stelle ich sie wieder zurück. Da fällt mein Auge auf eine dieser Fachzeitschriften für PC-Spiele. Eigentlich kümmere ich mich sonst nicht um sie, doch diesmal genügt schon der Titel, dass ich noch genauer hinschaue. Im Heft befinden sich Tipps und Tricks zu dem Spiel, das ich mir soeben geliehen habe. Dazu eine Komplettlösung und auf der Heft-DVD zahlreiche Erweiterungen. Ich bin so begeistert, dass ich erst gar nicht lange nachdenke. Ich nehme mir die Zeitschrift und für 4,99 € wechselt sie den Besitzer. Sorgsam verwahre ich meine neuen Schätze in einer Plastiktüte.

Auf dem Weg zu meinem Auto, mit dem ich die zwei Kilometer in die Innenstadt zurücklege, komme ich an einem Buchhändler vorbei. Dort sehe ich ein Plakat im Schaufenster, das mich veranlasst, stehen zu bleiben. Das neuste Buch meines Lieblingsautors ist jetzt als Taschenbuch erhältlich. Ich besitze alle Bücher von ihm, da darf dieses nicht fehlen. Wie gut, dass ich noch zehn Euro habe, so kann ich es mir gleich kaufen. Ich kann es kaum erwarten, heute Abend anzufangen, das Buch zu lesen.

Als ich zu Hause ankomme, fällt mir auf, dass ich eigentlich nur in die Stadt gefahren bin, um Geld zu holen. Einen kleinen Betrag für alle Fälle. Doch in meinem Portemonnaie klimpern nur einige Münzen geringen Wertes. So ein Mist, jetzt muss ich morgen eben noch mal los.

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