Intel vs. AMD – nicht wirklich in die nächste Runde

Ein Kommentar

Was haben die Hardware-Enthusiasten und vor allem die AMD-Fans gewartet: Der lang ersehnte und als Heilsbringer erwartete „Bulldozer“ ist da – mit etwa einem halben Jahr Verspätung. Da könnte man meinen, dass AMD gut gerüstet ist, in die nächste Runde im Kampf der Prozessoren gegen Intel zu ziehen. Doch um es vorweg zu nehmen: Es gibt diesen Kampf nicht wirklich – zumindest nicht im Moment.

Ich will hier nicht tief in die technischen Details gehen, auch weil ich selbst vieles davon nicht so ganz verstehe und auch nicht unbedingt verstehen will. Nur so viel: AMD geht bei der Architektur einen neuen Weg, man spricht nicht mehr von „Kernen“, sondern von „Modulen“. In einem Modul befinden sich zwei Integer-Kerne. Da es vier Module gibt, gibt es im Prinzip acht Integer-Kerne. Da sich aber jeweils zwei Kerne die notwendigen Einheiten teilen, erhält man nicht die doppelte Leistung, man könnte es eher grob mit Intels Hyperthreading vergleichen, da man im Grunde nur acht Threads, nicht aber vollwertige Kerne erhält.

Mit Bulldozer hat AMD zudem den Sprung zur Strukturbreite von 32 nm geschafft. Die schon bald erwartete Ivy Bridge von Intel wird schon in 22 nm gefertigt. Das bedeutet einen gewaltigen Vorsprung für Intel.

Beruft man sich auf die ersten Tests, so darf man regelrecht schockiert sein. Das bisherige hauseigene Flaggschiff Phenom II x6 1100T mit sechs echten Kernen übertrifft selbst der schnellste Bulldozer mit einem Takt von 3,6 GHz (mit Turbo bis zu 4,2 GHz) nur um rund 9 %. Der Vergleich mit Intel ist fast schon peinlich. Denn hier können die neuen Prozessoren nur mit dem Intel i7-860 mithalten. Man bedenke: Das ist ein Prozessor der ersten Core-i-Generation und ist schon zwei Jahre alt! Gegen die aktuellen Sandy-Bridge-Prozessoren von Intel hat AMD keine Chance. Selbst der i5-2500K mit „nur“ 3,1 GHz ist schneller – zum Teil sogar deutlich.

Der Stromverbrauch zeigt ein ähnlich schwaches Bild. Im Idle ist es noch ganz in Ordnung, dort verbrauchte das Testsystem 85 W (der Intel Core i7-2600K 80 W). Unter Volllast jedoch zog das AMD-System ganze 228 W aus der Steckdose, der eben angesprochene i7 nur 168 W. Wenn man es ganz überspitzt formuliert, ist es fast ein doppelter Stromverbrauch gegenüber Intel!

Ich fasse zusammen:

  • Nur etwas schneller als die bisherigen Phenom-Prozessoren
  • Nur quasi so schnell wie knapp zwei Jahre alte Intel-Prozessoren
  • Absolut keine Chance gegen die aktuellen Sandy-Bridge-Prozessoren
  • Exorbitanter Stromhunger

Im ComputerBase-Forum konnte man immer wieder von Leuten lesen, die auf Bulldozer warten wollten und sich daher noch kein Sandy-Bridge-System gekauft haben. Das Warten hat sich leider nicht wirklich gelohnt, das ist auch den Kommentaren zum Test im besagten Forum zu entnehmen; dort gibt es einige enttäuschte Wartende, die nun doch lieber auf Sandy Bridge setzen oder gleich auf Ivy Bridge warten.

In meinen Augen hat AMD hier auf ganzer Linie versagt. Wenn man bedenkt, dass von Intel schon bald „Ivy Bridge“ erwartet wird, stelle ich mir die Frage, wer sich denn eine solche CPU wirklich kaufen wird. Eigentlich schade, denn Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft, und wirklich Konkurrenz für Intel sehe ich hier nicht, zumindest nicht im Comsumer-Bereich. Bleibt abzuwarten, wie das im Server-Bereich aussieht …

Die einzige Hoffnung für AMD-Fans könnte sein, dass sie ähnliches schon einmal erlebt haben: Der Phenom der 1. Generation war ebenso ernüchternd, erst der Phenom II hat das gehalten, was er versprach und was man erwartete. Gut möglich also, dass es auch beim Bulldozer eine zweite Generation geben wird, die dann so gut ist, wie man es bereits heute erwartet hat.

Folgende Artikel waren meine Quellen. Dort finden sich die Tests und natürlich viel tiefer gehende Informationen. Interessant für jeden, der mehr wissen möchte.
http://www.golem.de/1110/86974.html
http://www.computerbase.de/artikel/prozessoren/2011/test-amd-bulldozer/

 

(Zugegeben, ich bin Intel-Fan und würde mir wohl kaum jemals wieder eine AMD-CPU kaufen, diese meine Einstellung kann man sicher zwischen den Zeilen erkennen, aber trotzdem: auch objektiv betrachtet, ist AMD hier kein gutes Produkt gelungen und enttäuscht sehr.)

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