Von „falschen“ Tees

Ich denke mir: Das weiß doch jeder! Mein Bruder war anderer Meinung und hat mich angeregt, doch etwas dazu zu schreiben. Also gut, hier kommt es. Es sei ihm gewidmet. 🙂

Im Supermarkt findet man unter „Tees“ ganze Regale mit unzähligen Sorten des heißen Getränks. Es gibt sogar Geschäfte und Online-Anbieter, die sich auf den Verkauf von Tee spezialisiert haben und quasi nichts anderes anbieten.

Wenn man es ganz genau nimmt, werden wir dort größtenteils ganz schön veräppelt. Denn vieles davon – wenn nicht sogar ein großer Teil – ist nämlich gar kein Tee! Zumindest streng genommen!

Das, was die Bezeichnung Tee tragen darf, ist sogar in der ISO-Norm 3720 festgehalten. Diese besagt, dass nur der Aufguss der Teepflanze (Camellia sinensis oder Camellia assamica) wirklich echte Tees sind. Die Teepflanze lässt sich natürlich mit verschiedenen anderen Stoffen aromatisieren, was dann für einen anderen Geschmack sorgt.

Die sogenannten „Früchtetees“ aber sind weit davon entfernt, wirklich Tees zu sein. Denn ein Früchtetee enthält grundsätzlich nichts von der Teepflanze, sondern in der Regel als Hauptbestandteil Malvenblüten und Hagebutten, die namensgebende Frucht wird dann in geringerer Menge beigefügt und in ihrer Geschmackswirkung durch zugesetzte Aromastoffe verstärkt.
Die korrekten Bezeichnungen dafür sind „Aufgussgetränk“ oder „teeähnliches Getränk“. Im unserem deutschen Sprachgebrauch hat sich die Bezeichnung Tee aber durchgesetzt – wahrscheinlich würde der Ausdruck „Früchteaufguss“ auch nicht allzu gut bei den Kunden ankommen. Und wer würde so etwas denn schon sagen …

Interessant ist der Vergleich mit anderen Sprachen, wo echte Tees und Aufgüsse zumeist nicht unter einem Begriff zusammengefasst werden. In Spanien z.B. ist „Té“ nur Schwarztee, alles andere heißt „infusión“. Ähnlich verhält es sich in Frankreich: „thé“ ist schwarzer oder grüner Tee, Kräutertee dagegen „tisane“.

Was man vielleicht als Genießer von Fruchtaufgüssen nicht unbedingt wissen möchte: Es wird im Prinzip nur „Abfall“ für die Herstellung verwendet. Bei der Saft- und Obstkonservenherstellung bleiben Reste wie z.B. Apfelsinenschalen übrig, die für Früchteaufgüsse dann verarbeitet werden. Zudem werden diese Pflanzenteile natürlich künstlich haltbar gemacht. Klingt irgendwie dann doch nicht so lecker. 🙂

Wie dem auch sei, ein richtiger Tee-Liebhaber bin ich ohnehin nicht. Und trotz dieses Wissens werde ich auch weiterhin meine paar Tassen Schwarztee und Früchtetee … äh, ich meine natürlich Früchteaufgüsse … ohne abwertende Gedanken zu mir nehmen. 🙂

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